Im 4×4 · Juli 2026 · Französische und italienische Alpen
Transalpine, der Jeep auf den Graten
Elf Tage, ein Jeep, ein Dachzelt und eine Gratlinie zwischen Frankreich und Italien. Dazwischen ein organisierter Raid, für die Heimreise die Route des Grandes Alpes, und die Gewissheit, dass wir im Grunde Reisende zu zweit sind.
- Dauer
- 11 Tage · 9.–19. Juli
- Höchster Punkt
- Col de la Bonette · 2802 m
- Pisten
- Finestre · Salzstrasse · Parpaillon
- Fahrzeug
- Jeep Wrangler Rubicon · Dachzelt

9.–11. Juli
Die Anreise, von Pass zu See
Zuerst der Grosse St. Bernhard, eine alte Liebe. Dann, oberhalb von La Thuile, eine Runde zu Fuss: ein kleiner See zwischen duftenden Lärchen, ein Pass und der Tiefblick auf Courmayeur, den Mont Blanc und die Grandes Jorasses. Einen schöneren Auftakt hätten wir uns nicht wünschen können. Erste Nacht im Dachzelt, gewiegt, sozusagen, vom Tosen des Rutor-Wildbachs.
Der Kleine St. Bernhard rollt sich aus wie eine Skipiste nur für uns. Der Lago di Verney mit seinen Mooren und einem Hauch Island. Tignes im Regen, das Vorzelt, das dem Gewitter standhält, der Iseran in den Wolken, dann Bonneval-sur-Arc mit seinen Steingassen. Am Abend ein richtiges Bett in Lanslebourg und das Wiedersehen mit unseren Freunden.
Zu Fuss · Die WanderungDer Lago d'Arpy und der Colle della CroceLago d'Arpy · 2066 mKarte, Zahlen und Fotos →
12. Juli
Finestre und die Grate von Sestriere
Der Mont Cenis an einem Sonntag ist ein Jahrmarkt: Motorräder, Velos, Wohnmobile. Der Colle delle Finestre lässt alles vergessen. Zuerst die Kehren, dann die Piste, lang und grossartig, und diese Querung am Hang, die sanft zu den Graten von Sestriere ansteigt.
In der Schweiz wäre es undenkbar, auf solchen Hochgebirgspisten zu fahren; hier ist es ein Privileg. Erstes Biwak zwei Kilometer vor Briançon.
13.–14. Juli
Gilba, Vernante und die Pässe des Piemonts
Hundertsiebzig Kilometer auf jedem erdenklichen Untergrund: Asphalt, Schotter, Sand mitten in einer aktiven Kiesgrube und endlich ein echter Aufstieg zum Colle di Gilba, wo der Jeep zeigen durfte, was in ihm steckt. Biwak auf einer Lichtung am Gipfel, Raclette unter freiem Himmel.
Am nächsten Tag reihen sich die Pässe aneinander, die Poebene dehnt sich, und Vernante zeigt seine hundertfünfzig Pinocchio-Fresken. Ein Spritz, dann Limone Piemonte, einst Knotenpunkt des Salzhandels.
15. Juli
Die Hohe Salzstrasse
Der lang ersehnte Tag. Mehr als fünfzig Kilometer Piste über zweitausend Metern, im Gleichgewicht auf dem Grat zwischen Frankreich und Italien. Einst trugen Maultierkarawanen hier das Salz vom Mittelmeer ins Piemont; heute transportiert man nur noch Erinnerungen.
Die Abgründe beeindrucken zuerst, dann verzaubern sie. Nach jeder Kurve scheint die Landschaft nicht mehr schöner werden zu können, und doch. Hinunter nach La Brigue, einem fast menschenleeren mittelalterlichen Dorf, dann über den Col de Turini, bekannt aus der Rallye Monte Carlo.
16. Juli
La Bonette, auf dem Mond
Saint-Martin-Vésubie trägt noch die Narben des Sturms Alex. Oberhalb von La Colmiane warnt eine schwindelerregende Piste unmissverständlich: „Bei Regen nicht befahren.“ Der Himmel droht, hält aber. Ein Alprestaurant, dann die Bonette, die höchste Strasse Europas.
Auf 2802 Metern lassen Wind, Grau und nackter Fels glauben, man fahre auf dem Mond. Eine zutrauliche junge Hirschkuh, Murmeltiere und am Abend ein Skorpion, entdeckt beim Einschenken des Proseccos für den Spritz. Woher kam er? Ein Rätsel.
17. Juli
Parpaillon und Serre-Ponçon
Letzter Tag des Raids: die Piste zum Parpaillon, auf der man hofft, niemandem zu begegnen. Der Tunnel, zwischen 1891 und 1900 auf 2643 Metern gebaut, ist seit zwei Jahren wegen Felsstürzen gesperrt. Kehrtwende und grosser Umweg am türkisfarbenen Lac de Serre-Ponçon entlang. Nicht wirklich eine Strafe.
18.–19. Juli
Die Route des Grandes Alpes, zu zweit
Wieder zu zweit, und das ist gut so. Die Route des Grandes Alpes verbindet Nizza mit Thonon: 720 Kilometer, siebzehn Pässe, rund 17 000 Höhenmeter. Jeder Pass ist schöner als der vorige; wir halten ständig an. Der Izoard mit seiner Casse Déserte und den Türmen aus Rauwacke, eine Mondlandschaft.
Am Lautaret stossen wir auf der Suche nach einem Geocache auf eine kleine Kapelle abseits der Strasse. Sie erinnert an die siebzehn Männer, die dort am 11. August 1944 erschossen wurden. Ein Ort von erschütternder Schlichtheit.
Am nächsten Tag der Cormet de Roselend mit seinem türkisfarbenen See, den wir vor Jahren zu Fuss entdeckt hatten, und seiner so fotogenen Kapelle. Les Saisies, die Aravis, die Colombière, Les Gets, der Col du Corbier, der Pas de Morgins und eine letzte Piste hinauf zu unserer Alp. Der Kreis schliesst sich. Das Schönste an einer Reise ist, dass sie immer Lust macht, wieder aufzubrechen.


















