SmaylaReise- & Wandertagebücher

In der Schweiz · Mit dem 4×4 · September 2026

Das (fast) geheime Graubünden

Vier Tage, zwei Begeisterte und ein Jeep. Drei Pässe für die Anreise, ein Wochenende auf Pisten rund um Andeer und ein kleiner Bergsee, dessen Namen wir für uns behalten. Eine raue, fremde Gegend, und doch so nah.

Dauer
4 Tage · September
Pässe
Nufenen · San Bernardino · Forcola
Höchster Punkt
Juf · 2126 m, ganzjährig bewohnt
Fahrzeug
Jeep Wrangler Rubicon
Kleiner Bergsee oberhalb von Andeer

Tag 1

Der Nufenen, dann drei Burgen

Das Wetter spielte mit, der Treffpunkt hiess Andeer, und wir lieben Pässe zu sehr, um die Autobahn zu nehmen. Zuerst der Nufenen, wild, wie wir ihn mögen: lange helle Kehren über der Alp, ockerfarbene und graue Gipfel und, wenn man den Stausee und die Strommasten im Hintergrund vergisst, ein echtes Gefühl vom Ende der Welt.

In Bellinzona dann die grosse Liebe. Wir lassen den Jeep stehen und steigen zu Fuss von Burg zu Burg: Castelgrande auf seinem Felsen, Montebello mit seinen Mauern, die zur Altstadt hinunterstürzen, ganz oben Sasso Corbaro über dem Wald. Drei mittelalterliche Burgen des Weltkulturerbes, ein schöner Aufstieg und ein verdienter Spritz auf der Piazza, im Schatten der Arkaden.

Montebello und das Tal von obenZu Fuss · Die WanderungBellinzona, die Runde der drei BurgenCastelgrande · Montebello · Sasso CorbaroKarte, Zahlen und Fotos →
Gipfel am Nufenenpass
Kehren am Nufenenpass
Bellinzona und die Burg Montebello
Burg Sasso Corbaro
Gepflasterte Gasse zum Castelgrande
Christian und Emmanuelle in Bellinzona

Tag 1, abends

Eine Albergo über dem Lago Maggiore

Christian gibt sein Geld nicht gern Hoteliers. Also fand er uns auf der italienischen Seite eine unwahrscheinliche Albergo hoch am Hang, an einem fast leeren Stausee. Die einzigen Gäste im Haus, ein karges Zimmer, Frühstück inbegriffen, und eine Aussicht, die einem schwindlig macht, je höher man über den Lago Maggiore steigt.

Er habe die beste Nacht seines Lebens verbracht, sagt er. Emmanuelle hätte das Dachzelt vorgezogen. Auch solche kleinen Meinungsverschiedenheiten gehören zum Reisen zu zweit, man erzählt sie sich danach lachend.

Tessiner Tal über dem Lago Maggiore
Der Lago Maggiore von oben

Tag 2

San Bernardino auf der Römerstrasse

Die Strasse steigt durch das Misox, vorbei an Dörfern, die mitten im Wald an den Felsen kleben. Am San-Bernardino-Pass eine Rundwanderung, ausgedacht vom Spezialisten: rechts hinauf zur Passhöhe, zwischen gletschergeschliffenem Gneis und kleinen Seen, die den Himmel spiegeln, und zurück über die alte Römerstrasse, deren Steinplatten nach zweitausend Jahren noch halten.

Die Grossartigkeit dieses Ortes lässt sich nicht beschreiben. Man muss sie gehen. Dann weiter nach Andeer in unser Hotel, Luxus nach der Albergo, und hinein in eine ganz und gar deutschschweizerische Welt der Geländewagenfahrer.

Der Passsee in der SonneZu Fuss · Die WanderungDer San-Bernardino-Pass über die Römerstrasse13,3 km · 611 m AufstiegKarte, Zahlen und Fotos →
Kleiner See am San-Bernardino-Pass
Die alte Römerstrasse am San Bernardino
See auf dem San-Bernardino-Pass

Tag 3 und 4

Juf, Val di Lei und Capuns

Das Wochenende reiht Perle an Perle. Das erste Essen in Zillis und unsere Einweihung in die Capuns, die gefüllten Mangoldwickel, die für Graubünden sind, was das Raclette für das Wallis ist. Dann das Averstal hinauf bis Juf, das höchste ganzjährig bewohnte Dorf Europas: ein paar Häuser, eine Kapelle und sonst nur Weite.

Im Val di Lei eine Kuriosität für Geografen: Die Staumauer steht in der Schweiz, der See aber liegt in Italien. Wir überqueren die Grenze, ohne sie zu sehen, und essen im Rifugio zu Mittag. Hausgemachte Pizzoccheri, dann ein lokaler Vipernschnaps, ein Digestif, der einen Mann aufweckt.

Das Averstal und sein Bach
Kapelle auf einer Bündner Alp
Staumauer im Val di Lei
Weidenröschen vor der Staumauer im Val di Lei

Tag 3 und 4

Die Pisten von Andeer

In der Schweiz ist Fahren abseits der Strassen fast unmöglich; hier öffnet uns ein begleitetes Wochenende einige Pisten. Unsere Haltung bleibt dieselbe: Die Piste ist ein Mittel zum Reisen, kein Spielplatz. Eine magische Fahrt hinauf zu einer hängenden Alp, wo wir oberhalb einer riesigen Lawinenschutzmauer aus Trockenstein parkieren, ein Werk der Geduld früherer Bergbauern.

Am Sonntagmorgen geht es direkt den Hang hinauf, Untersetzung eingelegt, bis an den Rand eines kleinen Bergsees. Die Spiegelung der Gipfel, die Stille, das Gras schon rostrot. Seinen Namen behalten wir eifersüchtig für uns. Und irgendwo ein in den Fels gehauener Tunnel, gerade breit genug für den Jeep.

Der Jeep auf einer Alppiste
Lawinenschutzmauer aus Trockenstein
Waldpiste über die Motorhaube gesehen
Der Jeep in einem Felstunnel

Letzter Tag

Crestawald, Beverin und die lange Heimfahrt

Die im Fels versteckte Festung Crestawald besichtigt man wie einen Spionageroman, und zum Abschluss gibt es Bündner Gerstensuppe aus der Militärgamelle. Dann ein letztes Bad in der Natur im Naturpark Beverin, unter einem riesigen Himmel. Für den Kaiserschmarrn der Hütte dort oben müssen wir wiederkommen.

Heimfahrt über den Nufenen bis zu unserer Alp. Eine lange Strecke, und es fällt schwer, wieder auf dem Boden anzukommen. Eine raue, fremde Gegend, ein wenig improvisiertes Schwiizertüütsch und schon jetzt die Lust, alles noch einmal zu machen.

Landschaft im Naturpark Beverin
Emmanuelle im Naturpark Beverin